Montag, 18. Februar 2013

geschreiisierung

Weltbester Bruder wohnt ganz am anderen Ende, hinter den sieben Bergen, mehr so links auffer Karte, da wo sich Jeck und Tunte gute Nacht sagen. Neulich rief er an und beklagte in vorwurfsvollem Ton: "Warum blogst'n du gar nich mehr?"

Ähm. Tschuldigung. Weiß ich auch nicht. Aber warum willst du das überhaupt wissen, (du einziger Verwandter, der jemals auf 'ner Lesung von mir war, mein süßer Sonnenschein und Licht meiner freudlosen Tage)?
Naja, sag ich mal wieder das Übliche: Meteoritenschauer haben wohl alle Netzanschlüsse atomisiert. Der Muserich hat sich verpisst zu Höherem. Das Bild hängt schief. Ich habe in schmerzhaften Wehen einen neuen Zahn geboren. Die Küche wollte renoviert, Möbel getüschlert, 2 Fahrräder behuft werden. Es gab andere Interferenzen. Und ehrlich gesagt hab ich letzter Zeit viel getwittert. Weil dieses Bloggen genau so autistisch ist wie mein Brotjob oder was ich sonst noch alles mache.

Twittern ist auch nicht so schlecht. Bei Twitter kam ich oft vorbei, wenn ich (im früheren Winterexil) Folsom runter zu meinem Lieblingslungerplatz an der Bay Bridge radelte. Twitter saß mittendrin in der Stadt und nicht an irgendsoner Caltrain-Endstation im Silicon Valley zwischen Starböcks und Rüstungsfirma. Das Twitter-Hauptquartier hat nicht mal einen Firmen-Parkplatz. Nur 140 Zeichen. Vielleicht haben die auch sehr kurze Arbeitszeiten oder kommen mitm Rad. Hausnummer hab ich vergessen. Aber für jeden guten Spruch gibts ein Schulterklopfen. Auf dünnem Minimalkonsens.

Und dann war da neulich ein großes Geschrei bei Twitter. Und noch mehr fieses Gegen-Geschrei. Und dann war mir plötzlich nicht mehr wohl in der Folsomstreet. Erinnerte mich irgendwie an meine Familie. Oder wie ein kluger Exfreund mal meinte: "Die schreien alle gleichzeitig und keiner hört zu." Mein kluger Exfreund hat sich bei Familienbesuchen immer ins Bett gelegt und wurde einfach krank aus Protest. Ich hab das damals nicht so mitgeschnitten, war ja selbst mit Schreien beschäftigt. Muss ja auch mal raus die Wut. Ganz normal bei uns zuhause. Aber wenn alle müde waren, ging nur noch der Fernseher an. Sonst passierte nix. Aufmerksamkeitsökonomie.

Bei dem ganzen Twitter-Gepöbel jetzt hab ich mich ins Bett gelegt und bin ein bisschen krank geworden. Einerseits erfreut über winzige tektonische Verschiebungen gesellschaftlicher Krustenberge, andererseits auch einfach müde. Ich lebe immerhin seit über vierzig Jahren auf einem fremden Planeten mit allen Nebenwirkungen.
Im Fernsehen war noch mehr Geschrei, allerdings noch etwas unsachgemäßer. Da schrien sich Leute an, die weder ein Buch gelesen noch sich jemals mit den zu beschreienden Themen befasst hatten. Kaum einer hörte zu. Schnellgerichte (aus dem Tiefkühlfach), standrechtliche Erschießungen, reflexhaftes Zotengelalle, Verbitterung und Selbstbemitleidung bis zum seligen Schlaflied des Status Quo. Manche Interessengegensätze lassen sich nicht wegflauschen. Auch nicht wegplärren. Aber das wird nochmal ein anderes Thema.


[Aufschrei analog]

Ich hab ein bisschen abgeschaltet, Netz und Fernseher. Alles nicht neu. Aufmerksamkeitsökonomie. Wie mein kluger Freund es damals strategierte: Ruhe suchen, während sich die anderen an die Gurgel gehen. Warten, bis vielleicht wieder irgendwer zuhört. Oder sogar fragt, worum es eigentlich geht. Dann gerne. Die ebenfalls kluge Frau Schrupp schrob irgendwo: es hat keinen Sinn jemandem etwas erklären zu wollen, das ihn gar nicht interessiert. Das musste ich erstmal lernen.

Twitter ist Rummelplatz mit Kirmestechno und ein paar angesagten Ansagern. Hier im Blog säuselt gemütliche Kammermusik, während der Springbrunnen plätschert, eine leichte Brise weht und im Hintergrund ein kleiner Hund sich die Poperze leckt. Wieder und wieder. Etwas langweilig. Aber ok.

Brüderchen kann gern mal anrufen. Oder vorbeicom.

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und ich bin ebenfalls immer froh über Kammermusik, Springbrunnen und -nein, nicht Langeweile, einfach nur Ruhe.

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