Mittwoch, 5. September 2012

überambitionierte selbstvermarktungsfallen


[Symbolfoto: 24-Stunden-Hotline. Landwehrkanal Kreuzberg.]

Frau P. erzählte jüngst von diesem Herren, dem sie beim Gassigehen am Kanal begegnete und der dort zum Zwecke der Eigenwerbung Visitenkarten an Passanten verteilte. Es ging auf dessen schreiend bunter Bling-bling-Coraldraw-Businesscard um irgendeine nicht näher zu verifizierende Dienstleistung im Bereich "Körperwahrnehmung" (vermutlich Nagelbettreflexzonen-Reiki mit tantrischer Klangschüssel-Penetration).

Frau P. war darüber nicht weiter verwundert, denn wir leben nunmal in einer Stadt mit einem überduchschnittlichen Level an Bekloppten und auch bekloppten Beklopttheitsheilern aller Unsinnsniveaus. Lustig fand sie hingegen genau die Farbigkeit. Das Visitenkärtchen blingblingte, so sehr überhaupt ein Papierstück in 10 verschiedenen Schrifttypen blingen kann. Und es erweckte dabei den Eindruck, der Herr mit der ungenannten Dienstleistung führe ein internationales Unternehmen mit 8stelligen Zuwachsraten. (Vielleicht überlässt mir Frau P. noch das Original oder ich muss nochmal selbst Gassigehen, um euch das zu zeigen.). Am lustigsten fand Frau P., dass auch eine 24-Stunden-Hotline im Angebot ist. Damit der verzweifelte Klient in dringenden Notfällen jederzeit tantrische Klangschüsseln über den Kopf gezogen kriegen kann. Die Hotline firmierte unter der Vorwahl 030 mit Kreuzberger Nummer. Was zumindest kostenpflichtige Warteschleifen ausschließt... wenn es denn mal schnell gehen muss.

Auf der Meta-Ebene raisonnierten wir dann allerdings den zunehmenden Selbstvermarktungsdruck in allen Lebenslagen. Je mehr es blingblingt, umso schlimmer muss es ja stehen um die Professionalität. Dass es immer unpeinlicher zu werden scheint, mehr zu scheinen als zu werden. Wenn jedes frisch erfundene Hobby in sozialen oder anderen Netzen zur ganz großen neuen Business-Idee aufgeblasen wird. Wenn jede Grundschülerin ein Curriculum Vitae mit der Betonung auf ihre speziellen Skills und Auslandserfahrungen auf ihrer Website führt. Und dass die brillante Spotlackierung der Berufsbezeichnungen so selten mit den harten Fakten des aktuellen Praktikantenvertrages korrespondiert... Selbstironie dabei eine aussterbende Ausdrucksform zu sein scheint.

Jeder Mensch seine eigene Werbetafel. Wenn die Leute bizarrologisch hochfrequente Sachen machen, ist das häufig angstgetrieben. Es muss viel Angst herrschen da draußen. Ich glaub, ich ruf jetzt doch mal bei der Hotline an.

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Es ist

ganz und gar grossartig hier.

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