Samstag, 30. Juni 2012

nasenblindheit

"Je älter ich werde, umso glücklicher bin ich mit meiner Verhaltensstörung!"
-- ist eins meiner Lieblingszitate der klugen Frau K.

Und nach jahrelanger Therapieerfahrung sollte eins zu seinen Kauzigkeiten stehen. Frau Generator hat zum Beispiel ein Riechfläschchen. Auf dem Schreibtisch. Und immer, wenn ich einmal traurig bin oder mir nichts mehr einfällt, dann trink ich einen Schnaps dann halte ich die Nase da rein.
Es riecht nach Limone und Verbene (steht drauf, obwohl die Verbenen im Garten eigentlich nach gar nix riechen) -- und es riecht nach dem Wäscheständer in San Francisco. Einfach gut. Mein Riechfläschchen enthält 2 Unzen "Mrs. Meyer's Clean Day" Universalreiniger. Nein, enthielt. Ungefähr eine 3/4 Unze hab ich nämlich schon weggeschnüffelt. Leider passte keine 2-Literflasche von dem Zeug beim letzten Rückflug in den Koffer. Also muss ich jetzt gut einteilen.

Noch lieber als "Mrs. Meyer's Clean Day"-Waschmitteln habe ich den Geruch von frischem Betong. Das einzig Gute am Berliner Luxus-Bauboom ist, dass Betonggeruch-Junkies wie ich ab und zu heimlich auf Baustellen durchatmen können. Mit so richtig teuer riechenden Luxus-Betong.

Was ich nicht mag, ist der Geruch, wenn meine Nachbarin zur Arbeit geht. Sie benutzt seit 40 Jahren dasselbe (Übelkeit verursachende) Parföng und schüttet sich davon morgens zuviel über Kopf, weil sie das nicht mehr merkt. Und dann kann man sie sogar duch geschlossene Türen riechen. Die armen Kolleginnen von der Nachbarin. Die sagen wahrscheinlich jeden Morgen "Guten Morgen" und gehn sich dann erbrechen.

Weil es so selten nach Betong riecht hier bei mir, sondern mehr nach der Nachbarin oder nach angebrannten Käsefüßen aus dem Käsefüße-Integrationskochprojekt gegenüber oder nach BVG-Busabgasen oder Hundekacke oder dem modderigen Duft, der morgens um 9 aus der Kneipenlüftung nebenan herausgepustet wird... deshalb halte ich mir "Mrs. Meyers" und immer noch den grauen Schleier eigenen Zigarettenkonsums um mich herum. Wenn ich selber stinke wie ein alter Zweitakter, muss ich wenigstens nicht die anderen riechen. Und wenn ich mal ein paar Tage abstinent bin, dann überkommt mich die olfaktorische Keule dieser Stadt mit solcher Wucht, dass sich das nicht mit einer kleinen Morgenübelkeit abtun lässt.

Beinahe beneide ich Freund N., der als Kind durch eine Infektionsverpeterung seinen Geruchssinn verloren hat. Dabei ist er selbst einer der bestriechendsten Menschen, die ich kenne. Das sag ich ihm immer, und er glaubt es mir nicht. Aber der Geruch von manchen Sorten Männerschweiß soll ja auch den weiblichen Zyklus stabilisieren. Und siehe da: während all der Jahre in irgendwelchen Bandbussen war mein Zyklus so zuverlässig wie eine Atomuhr. Hat aber nicht immer so gut gerochen in diesen Bussen wie in N.s Achselhöhle.

So. Wenn die Nachbarin gleich weg ist, rühr ich eine halbe Unze Mrs. Meyers in den neuen Gartentreppenstufenbetong. Und stell die Verbenen daneben, damit sie mal lernen, wie sie zu riechen haben.

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Immer wenn ich mal traurig bin, schaue ich in Ihr blog. Wenn das nicht erreichbar ist, trink ich nen Zuckerrohrschnaps.

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