Sonntag, 18. April 2010

gesichterbilder

Normalerweise geht Leutefotografieren so: man stellt sich irgendwo vor die gewünschte Kulisse, Tatsch Mahal, Golden Gate Brücke, Brandenburger Tor oder so etwas, streckt den rechten Arm aus, klemmt sich dendie besten Freund oder Freundin in die Achselhöhle, verdreht den Kopf in eine als vorteilhaft angenommene Position, öffnet die Lefzen zu einem als vorteilhaft angenommenen Lächeln -- und drückt ab.

Milliarden solcher Selbstaufnahmen bevölkern das Internet, Handyspeicher und Ahnengalerien. In der Zukunft wird man annehmen, unser Jahrhundert hätte ernstzunehmende orthopädische Probleme gehabt wegen der ungesunden Körperhaltung auf allen Bilddokumenten. Ein ganzes Zeitalter am ausgestreckten Arm. Frauen schauen dabei meist etwas devot von unten nach oben, Herren kraftstrotzend auf die Welt herab. So ist das nunmal.

Nun kam ein Bekannter mit einer verrückten Idee daher. Er würde Menschen, die so etwas bisher überhaupt nicht kannten, aus mehr als einem halben Meter Entfernung fotografieren. Er würde dazu jeden Tag dieses schönen Jahres 2010 jemanden irgendwo hinstellen (Tatsch Mahal oder Kaffeemaschine) und schneidig von gegenüber ablichten.

Diesen Mann traf ich vor etwa einem Monat im Silicon Valley. Er ist kein Profifotograf, was auch erklärt, warum mein Schnappschuss von ihm (s.o. in der Firmen-Kantine) fast wie am langen Arm aussieht. Einem Profi wäre das nicht passiert. Aber er arbeitet konzentriert an seinem "Projekt 365" und erzählt täglich eine kleine Geschichte über Kollegen, Freunde oder Zufallsbegegnungen. Die sind inzwischen ganz wild drauf, von Herrn Hansamann portraitiert zu werden. Der ganze Konzern und die halbe Stadt lauert ihm bereits auf, in der schalen Hoffnung, einmal von vorn belichtet zu werden. Aber er macht grundsätzlich nur ein Foto pro Tag.

Auch wenn Teile der Strecke wirken, wie aus einer Imagebroschüre, wo jeder zeigt, was er hat oder kann (so eine brandneue Technik will ja erstmal ausgelotet werden) -- ich mag die Gesichter von vorn, das Dogma, das notorisch gutdraufe amerikanische Posing und die Geschichten. Und wenn man zurück in Deutschland ist, merkt man wieder, wie vergleichsweise einfarbig hier die Leute sind. Das allerdings liegt nicht nur am Wetter.

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