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Donnerstag, 24. Februar 2005
blogger nabel schau
dede, 12:26h
Im E-Business Blog wird derzeit debattiert über die „Qualität von Weblogs“ an sich. Und – soweit publik - geht es dabei munter drunter und drüber durch alte Fragen der „Massenkulturkritik“.
Ein schöner Text von Martin Röll und eine Diskussionsveranstaltung in Berlin machten den Anfang. Nein, eigentlich Spreeblicks bekannte Glosse zur Klingeltonmafia. Wird über „Qualität“ von Blogs verhandelt, meint Röll „politische“ Diskussionsbereitschaft, bzw. den allgemeinen Mangel daran. Die Diskreditierung von Weblogs "nach Jamba" (in richtigen Medien: Magazinen & tv-Sendungen) bezog sich hingegen auf „journalistische Defizite“: Wenn Amateure Informationen verwerten und verbreiten, könne das doch nur auf Kosten des Wahrheitsgehaltes gehen... Beiderlei fragwürdige Annahmen?! ------------------------------------------------ >>>(...Weiterlesen im Kommentar...) ... comment
dede,
Donnerstag, 24. Februar 2005, 13:48
(...)
1. Qualität von Medien (z.B. Weblogs) sei zu messen an politischem/gesellschaftlichen Engagement. Was für ein Unsinn. Der gute alte Bildungsauftrag! Dieses würde voraussetzen, dass Medien sich generell über gesellschaftskonstituierende Funktionen legitimieren. Tun sie nicht. Trotzdem ein Motiv für viele medienkritische, kulturkonservative wie ideologiekritische, aber allesamt an der Illusion nagende Theoriewerke... Regale voll. Medien können politisch wirken, doch haben sie auch andere Funktionen... ästhetische, moralische, soziale, ökonomische und nicht zuletzt ästhetische/soziale/ökonomische zusammen. Letzteres nennt man dann Unterhaltung und schaut unter Bildungsbürgern betreten zu Boden. Kommunikation verortet nicht nur die Gesellschaft allgemein, sondern auch den Einzelnen in der Gesellschaft. Nicht zuletzt identifiziert er sich darüber, was ihm schlichtweg Spaß macht... seien es Klingonen-Foren, szenige Mädchen-Diaries oder Klingelton-Musikjournale. Politische Diskussionen scheinen derzeit keine große Identifikationskraft zu bieten. Wenn es genügend politisch denkende Menschen gäbe, würde sich das wohl auchmal andernorts bemerkbar machen... 2. Die Journalisten-Schelte? Als gäbe es objektive Medien?! „Nach welchen Kriterien werden verfügbare Informationen" vertrieben? (1) Einzige Wahrheit ist: Alles, was irgendwo geschrieben steht, entspricht im besten Falle der Realität des Urhebers. Und gerade ihre Subjektivität wird "guten" Weblog-Autoren als innovativ angerechnet. Weblogs bieten in perfekter Weise das, was die Cultural Studies „produktives Lesen“ nennen. Texte aber, „die ein produktives Lesen ermöglichen, weisen Disziplinlosigkeiten auf.“ (2) Entsprechen solche Disziplinlosigkeiten nun irgendwelchen ästhetischen Kategorien, spricht man sogar von Kunst oder Literatur. Warum also sollten sich Blogger mit „richtigen Journalisten“ messen wollen, wenn sie doch ein eigenständiges Medium zur Verfügung haben, noch dazu wirtschaftlich unabhängig sind und im besten Falle neue Kommunikationsstrategien entwickeln können? Aufmerksamkeitsökonomie Wo Information zur Ware wird – und das tut sie im Falle kommerzieller TV-Sender oder Printmedien – da herrschen die Gesetze der „Aufmerksamkeitsökonomie“. Auch kein ganz neuer Begriff, der in Anfangszeiten der New Economy ausgiebig diskutiert wurde. Professionelle Anbieter haben naturgemäß kein Interesse an unabhängigen Informations-Netzwerken. Weblogs, die mit brauchbaren Inhalten Aufmerksamkeit abziehen, rechnen sich als Kostenfaktor. Wer vor dem Bildschirm hockt, um Antville zu lesen, lässt sich zumindest in diesem Moment nicht die Welt von Herrn Augstein erklären. Die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie gelten auch für Weblogs – ob nun zu Ungunsten oder Gunsten - ein pfiffiger Herr Häusler verkauft nun immerhin Tshirt mit seinem Logo! Kaum zu glauben, also dass das Volk („und das sind immer die anderen“) – so bodenlos dumm ist, wie in manchen Beiträgen befürchtet. Wenn „es“ so dumm wäre, würde es nicht die Chancen unabhängiger Kommunikation erkennen und nutzen. Natürlich hat Herr Röll Recht mit der Feststellung, 99 % aller E-Mails seien belanglos. Massenmedien bedeuten auch Alltag. Alltag ist banal. Dümmer, unnützer und schädlicher noch sind Hoaxes, Kettenbriefe und Mail-Petitionen... Doch selbst diese lassen sich in ganz bestimmte soziale Funktionen einordnen, wie Angst, Befreiung, Identifikation, Anerkennung, etc... (vgl: Björn Laser „Drohungen aus dem Netz“) (3) Motivationen zum Bloggen sind entsprechend der Nutzer verschieden. Und auch „Aneignungslogiken sind niemals eindimensional“. Warum sollten ausgerechnet Weblogs einen Qualitäts-Standard erfüllen? Erfreut man sich da einer Nabelschau der kleinen Gemeinde, die längst nicht mehr so klein und exklusiv ist, wie sie es gerne hätte. Sollte etwa herauszukriegen sein, wie weit die Verbindung zur nährenden und reflektierenden Öffentlichkeit reicht? Der Prozess freier Kommunikation im Internetz ist doch ein erfrischend dynamischer. Wer möchte da Grenzwerte festlegen? Trotzdem erfreulich, dass aufgrund eines neuen Vehikels die alten (theoretischen) Fragen des Antriebs neu betrachtet werden. Denn solche Weltformel hat ja bisher noch niemand gefunden... „Was sehen wir, und woher unsere Überraschung? Wir sehen die Menge als solche im Besitz der von der Zivilisation geschaffenen Einrichtungen und Geräte. Doch kaum haben wir uns ein wenig bedacht, so überrascht uns unsere Überraschung. Ist nicht dies der Idealzustand? (4) Man möchte wissen, was man sein könnte und nicht was man sein sollte. Denn „vor allem“, schreibt Jean Luc , „Internet ist ja freiwillig.“ - - - - - - - - (1) Vilém Flusser, Medienkultur, 1993 (S. 61) (2) Dierk Spreen, Kleine Massenmedien, in: Perry Rhodan Studies, 2003 (S.91) (3) Björn Laser, in: Die dunkle Seite der Medien, 2001 (S. 205 ff.) (4) José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1956 (S. 7) ... link ... comment |
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