Donnerstag, 20. Februar 2014
abriss und neubau


Der leicht ergraute Nachbar und weltberühmte Autor H. frug neulich: "Wieso willst du deinen Garten aufgeben? Du hast doch da erst neu gebaut?!" -- Ich hätte sagen können: "Du hast ja auch schonmal 'nen Text geschrieben. Warum schreibst du dann noch einen neuen?"

Hab ich aber nicht. Die guten Sachen fallen einem immer erst hinterher ein. Wenn der andere schon kopfschüttelnd um die Ecke ist. Einem wunderbaren Sonnenuntergang entgegen. Sein Liedchen pfeifend, weil er weiß, was er tut. So mit seinem Leben. So ungefähr.

Soll ich jetzt dieses ganze Blog löschen oder nicht? Muss nochmal kurz drüber nachdenken. Hätte gut Lust, ein neues Haus zu bauen. Das erste ist schön, aber es ist fertig. Und als es fertig war, hab ich festgestellt, dass der Ort drumrum mir nicht so gefällt. Ich könnte es komplett abschrauben und mit einem gut draufen Hubschrauberpiloten irgendwohin bringen. Allerdings kenn ich keinen gut draufen Hubschrauberpiloten und weiß auch noch nicht so genau wohin.

Denk noch ein bisschen drüber nach. Hinterher fällt mir bestimmt was ein. Vorher wird noch nichts gelöscht.

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Freitag, 23. August 2013
uffjeräumt


Wohnung ausräumen... Fahne gefunden. Fünf mal zwei Meter mit weißem Kreis in der Mitte.
Als der Oppa damals starb, fanden wir die auf dem Speicher. Im doppelten Boden eines alten Kleiderschranks. Warum er sie aufgehoben und versteckt hat? Für bessere schlechte Zeiten? Um kleinen Mädchen rote Kleider zu nähen, wohl kaum. Die Omma hatte dem Führer nur Söhne geboren. Das Mutterkreuz hing bis zum Ende über ihrem eichenen Ehebett.
Wir wussten nicht wohin damit. Hab ich sie in Verwahrung genommen -- vor 20 Jahren. Wusste dann aber auch nicht wohin damit. Jetzt weiß ich's und such mal den Grillanzünder raus.

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Freitag, 28. Juni 2013
anzugtypen
An der Kiefholzstr steht ein Mann im schwarzen Anzug und winkt mich vom Rad. "Ich nehme keine Tramper mit!" sag ich. "Nee nee", er so, "Kundschaft würd ooch nich ins Körbchen passen." Dann erst bemerkt: ein Leichenwagen. Die beiden auf der Suche nach dem Krematorium.

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Nochmal Anzugtypen... Heut morgen im neuen Gleisdreieckpark. Ich so kuck auf den Plan. Rudel Anzüge mit Mappen im Anmarsch: "Suchen Sie was?" -- Ich so: "Eine Ostwest-Verbindung zur Bülowstr..." Er so: " Hamwa doch!" Ich so: "Nee, das ist ein Süd-West-Nord-Süd-halbrechts-Südwest-Geraffel mit Stahltreppe am Ende." Er so: beleidigt kuck.
(Vergessen zu fragen, ob das die Geraffelplaner waren.)
Das Leben ist kein Farrat-Highway.

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Seit bei uns im Haus der schicke Feinkost-Italiener aufgemacht hat, ist die Altpapier-Tonne immer voll mit Fertigfutter-Verpackungen... (Pasticceria, Pansensuppe, Pizzakarton). Wir kochen also alle nur mit Pappe? Protipp heute: beim ambitionierten Gastronomen mal in die Mülltone kucken.

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Samstag, 23. März 2013
re-legislativierung der zweitnetze
"Dieses Leistungsschutzrecht ist in Ihrem Land nicht verfügbar."

Das Netz wird enger statt weiter und schmaler statt breiter. Was sich vor 10 Jahren kaum jemand hätte vorstellen können: nationale Gesetzgebung schafft tatsächlich immer mehr Einschränkungen im WWW-Informationsfluss. Nicht nur in Nordkorea. Interessant, wenn du mal testweise auf verschiedenen ausländischen Flughäfen die selben total konspirativen Suchbegriffe (meinetwegen "Ferkelwemsen" oder "Yaoi" nachschlägst.) Und dann wahlweise nichts findest oder ganz viel -- oder gleich zur nächstbesten Steinigung abgeführt wirst. Oder eben als fortgeschrittenes Netzbürgerlein die richtigen Proxys kennst. Aber nur die tollsten Auskenner wissen das alles überhaupt und schütteln traurig die müden Häupter darüber. Was hätte aus diesem Netz in einer besseren Welt werden können, die nicht nur auf Geldverdienen und Dumme-Schafezüchten aus ist.

Aber vielleicht werden wir alten Schreibmaschinen-Veteranen ja noch eine (echte) digitale "Revolution" erleben. Vielleicht könnten all die unterforderten Auskenner und Mate-Nerds einfach aufhören nur Häupter zu schütteln und sich stattdessen ein paar konstruktive Gedanken machen.
Wenn es ein Netz gibt, sollte es doch möglich sein, noch ein zweites Netz zu erfinden. Oder ein drittes? Die Matrix von Burda und Springer und Gates und Kauder und Kim Yong Un einfach umschreiben, wie ein aus der Mode gekommenes Laptoptaschen-Strickmuster? Um Wege zu finden, die (kommerz-)freie Kommunikation wieder möglich zu machen. Ein bisschen Hase und Igel zu spielen mit betriebsblinden Politikern und Konzernen? Auf WWW folgt XXX und YYY und irgendwann sind wir wieder beim A-Level angelangt.

Ich selbst bin zu blöde für echte Visionen. Und möchte mit "Netizen"-Konferenzen (aus triftigem Grund) nichts mehr zu tun haben. Und kraul mir die müden Stirnlappen am späten Abend. Aber schön wärs schon, eines Tages davon zu lesen.

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Dienstag, 19. Februar 2013
saubermachen
Die "Initiative Saub*res Hamburg ist ein Zusammenschluss aus besorgten Bürgern"**, die in Hamburg grade die Obdachlosigkeit, sowie allgemeine Armut und vor allem auch Kotze im Vorgarten verbieten will. So heißt es auf der gleichnamigen Website. Zu diesem Zwecke möchte man Obdachlose "weg aus Hamburg" ... äh... deportieren?

(Könnte es sein, dass die besorgten Bürger ein schönes Ferienparadies auf Curacao angemietet haben, um den Hamburger Obdachlosen mal einen etwas kuscheligeren Winter zu ermöglichen? Frisch gebadet und gewandet, würden sie sich dort blaugefärbte Cocktails reinpfeifen, statt der üblichen 200ml-Doppelkorn-Dröhnung. Und sich später, falls ihnen danach ist, noch ein paar Spa- und Wellness-Einheiten des niederländischen Ballermanns gönnen. Den Hummer zum Dinner müssten sie nicht mit ihren schmutzigen Obdachlosen-Fingerchen zerlegen. Das würden freundliche Butler mit norddeutscher Contenance übernehmen ...)

Denn seltsamerweise firmiert die Redaktion der "Initiative Saub*res Hamburg" im antillanischen Willemstad. Wobei die Domain der besorgten Bürger Hamburgs wiederum in irgendeiner zerlumpten Kreditkartenbetrüger-Webhosting-Bude von L.A. gehostet ist.

Alles in allem klingt die Idee zu lustig, um kein Fake zu sein. Andere Bürger Hamburgs gründen gerade Gegen-Initiativen.

Jedenfalls ist Frau Generator sehr gespannt, was am Ende bei der Sache rauskommt, wenn das alles rauskommt mit den Sponsoren hinter diesem sensationellen Sozialplan. Berliner! Uffjepasst. Und nicht den Anschluss verlieren im Aufräumwahn.

** [kannste selber gugeln]

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Montag, 18. Februar 2013
geschreiisierung
Weltbester Bruder wohnt ganz am anderen Ende, hinter den sieben Bergen, mehr so links auffer Karte, da wo sich Jeck und Tunte gute Nacht sagen. Neulich rief er an und beklagte in vorwurfsvollem Ton: "Warum blogst'n du gar nich mehr?"

Ähm. Tschuldigung. Weiß ich auch nicht. Aber warum willst du das überhaupt wissen, (du einziger Verwandter, der jemals auf 'ner Lesung von mir war, mein süßer Sonnenschein und Licht meiner freudlosen Tage)?
Naja, sag ich mal wieder das Übliche: Meteoritenschauer haben wohl alle Netzanschlüsse atomisiert. Der Muserich hat sich verpisst zu Höherem. Das Bild hängt schief. Ich habe in schmerzhaften Wehen einen neuen Zahn geboren. Die Küche wollte renoviert, Möbel getüschlert, 2 Fahrräder behuft werden. Es gab andere Interferenzen. Und ehrlich gesagt hab ich letzter Zeit viel getwittert. Weil dieses Bloggen genau so autistisch ist wie mein Brotjob oder was ich sonst noch alles mache.

Twittern ist auch nicht so schlecht. Bei Twitter kam ich oft vorbei, wenn ich (im früheren Winterexil) Folsom runter zu meinem Lieblingslungerplatz an der Bay Bridge radelte. Twitter saß mittendrin in der Stadt und nicht an irgendsoner Caltrain-Endstation im Silicon Valley zwischen Starböcks und Rüstungsfirma. Das Twitter-Hauptquartier hat nicht mal einen Firmen-Parkplatz. Nur 140 Zeichen. Vielleicht haben die auch sehr kurze Arbeitszeiten oder kommen mitm Rad. Hausnummer hab ich vergessen. Aber für jeden guten Spruch gibts ein Schulterklopfen. Auf dünnem Minimalkonsens.

Und dann war da neulich ein großes Geschrei bei Twitter. Und noch mehr fieses Gegen-Geschrei. Und dann war mir plötzlich nicht mehr wohl in der Folsomstreet. Erinnerte mich irgendwie an meine Familie. Oder wie ein kluger Exfreund mal meinte: "Die schreien alle gleichzeitig und keiner hört zu." Mein kluger Exfreund hat sich bei Familienbesuchen immer ins Bett gelegt und wurde einfach krank aus Protest. Ich hab das damals nicht so mitgeschnitten, war ja selbst mit Schreien beschäftigt. Muss ja auch mal raus die Wut. Ganz normal bei uns zuhause. Aber wenn alle müde waren, ging nur noch der Fernseher an. Sonst passierte nix. Aufmerksamkeitsökonomie.

Bei dem ganzen Twitter-Gepöbel jetzt hab ich mich ins Bett gelegt und bin ein bisschen krank geworden. Einerseits erfreut über winzige tektonische Verschiebungen gesellschaftlicher Krustenberge, andererseits auch einfach müde. Ich lebe immerhin seit über vierzig Jahren auf einem fremden Planeten mit allen Nebenwirkungen.
Im Fernsehen war noch mehr Geschrei, allerdings noch etwas unsachgemäßer. Da schrien sich Leute an, die weder ein Buch gelesen noch sich jemals mit den zu beschreienden Themen befasst hatten. Kaum einer hörte zu. Schnellgerichte (aus dem Tiefkühlfach), standrechtliche Erschießungen, reflexhaftes Zotengelalle, Verbitterung und Selbstbemitleidung bis zum seligen Schlaflied des Status Quo. Manche Interessengegensätze lassen sich nicht wegflauschen. Auch nicht wegplärren. Aber das wird nochmal ein anderes Thema.


[Aufschrei analog]

Ich hab ein bisschen abgeschaltet, Netz und Fernseher. Alles nicht neu. Aufmerksamkeitsökonomie. Wie mein kluger Freund es damals strategierte: Ruhe suchen, während sich die anderen an die Gurgel gehen. Warten, bis vielleicht wieder irgendwer zuhört. Oder sogar fragt, worum es eigentlich geht. Dann gerne. Die ebenfalls kluge Frau Schrupp schrob irgendwo: es hat keinen Sinn jemandem etwas erklären zu wollen, das ihn gar nicht interessiert. Das musste ich erstmal lernen.

Twitter ist Rummelplatz mit Kirmestechno und ein paar angesagten Ansagern. Hier im Blog säuselt gemütliche Kammermusik, während der Springbrunnen plätschert, eine leichte Brise weht und im Hintergrund ein kleiner Hund sich die Poperze leckt. Wieder und wieder. Etwas langweilig. Aber ok.

Brüderchen kann gern mal anrufen. Oder vorbeicom.

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Mittwoch, 23. Januar 2013
lampe an
Heute so bei Elektroschrott-Co*nrad Hasenheide: wackerer Glühbirnenverkäufer versucht blutjunger Amerikanerin zu erklären, was "Ostberlin" ist.
Ich habe nicht verstanden, wieso und was die ehemalige Teilung der Stadt mit der Entscheidung zwischen LED oder sonstiger Quecksilber-Funzel zu tun hat. Blutjunge Amerikanerin ihrerseits verstand nicht, wieso es mal zwei verschiedene Sorten Berlin gibt oder gab. Und wackerer Glühbirnenverkäufer merkte, dass er mit seinem englischen Vortrag noch andere Kunden in den Bann zog.
Die E14er LED von Mûller-Licht sind grade im Angebot. Bei Co*nrad West. Funktionieren auch im Osten... gloobick.

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winterschlaf


Tschuldigung. Denkpause.

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Donnerstag, 1. November 2012
krankenpflege


Nein, es ist nicht so schlimm. Obwohl ich weiß, dass die geneigten Leser meines Blogs auch zu irgendeinem geheimversteckten Teil ihrer voyeuristischen Seele auf blutrünstige Krankengeschichten stehen (sonst wären sie nicht meine Leser) -- kann ich derlei nicht bedienen.

Es gibt momentan keine offenen Knochenbrüche, keine eitrigen Zahnfisteln, keine unappetitlichen OP-Berichte. Ich bin einfach nur krank mit Ausschlag. Und habe ein bisschen übertrieben dieses Jahr. Ein Häuschen gebaut, eine bizarrologisch hochwertige Ausbildung gemacht, einen Garten umgekrempelt, mehrere Himalaya-Gipfel bestiegen und nebenbei noch circa genau 12.000 Buchseiten redaktioniert oder übersetzt. Jetzt wird psychosomatet. Ärztin meinte: kapott und krank wegen übertreiben. Und verschrob eine Medizin, auf deren Packung "Feierabend" steht. Und im Beipackzetteln was von "nicht am Straßenverkehr teilnehmen".

Die muss ich jetzt eine Woche lang nehmen, die Tabletten. Und gründlich alle Nebenwirkungen genießen, vor allem die Schlafattacken, eine allgemeine Besoffenheit und dass sich der Fußboden manchmal in schaukelnde Schiffsplanken verwandelt. Fear and loathing auf Kasse...

Damit ich mich vom Straßenverkehr und auch vom Internet fernhalte, haben mir "gute Freunde" einen Haufen Filme vors Sofa gestellt. Ohne Mitspracherecht. Bei der Auswahl mache ich mir nun doch Gedanken.

Welche Art Unterhaltungselektronik bei welcher Diagnose angezeigt ist, hat noch niemand systematisiert? Gibt es ICD-10-Code entsprechend therapeutische Film-Rankings? Ausschluss-Kriterien? Sollte z.B. jemand, der an der Beatmung hängt, ausgerechnet "Open Water" kucken? Oder Menschen mit akuter Arthritis "Edgar mit den Scherenhänden"?

Ich hab jedenfalls die siebenteilige Extended-Edition vom Herrn der Augenringe mit Bonus-Hobbits zurückgehen lassen. (Lieb gemeint, aber ich hab zuviel gearbeitet, ich möchte jetzt nicht noch ganz Mordor durchfeudeln!) Ob mich 40 Folgen Büromobbingspaß mit C.M. Herbst ohne Stammhirntoupet erfreuen, bin ich mir auch grad nicht sicher. Dass mir Frollein J. die "Tote Omma" aufdrängte, weist hoffensichtlich nicht auf nekrophile Erwartungen ihrerseits hin. Über Kifferkultfilme bin ich bei meiner Medikation hinaus. Und Freunde, die mir kreischende NYC-Woohoo-Girls mit Shopping-Problemen aufdrängen, sind irgendwie auch keine Freunde.

Ich brauch grad was Langsames und Betuliches zum Mitschneiden. Und damit ich weiß, dass diese Welt ungefähr so besoffen, schläfrig und zenmönchisch meditativ ist, wie sie sich mit diesen Tabletten anfühlt. Also fangen wir an mit "Spejbl und Hurvinek", trainieren uns langsam Richtung amerikanische Engel oder Walter Matthau & Jack Lemmon... und bis zur "Gegengeraden" kann ich hoffentlich wieder stehen.

Entschuldigung, falls dieser Blogeintrag balla klingt. Ich bin balla. Aber das liegt nur an den Tabletten. Sagt Wowbagger der unendlich Verlängerte.

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Samstag, 13. Oktober 2012
jahreszeitliche tristesse und kucken auf steine


Schlechte Nachrichten erreichen einen überall. Und es scheint so, dass manche Kerzen schneller und heller abbrennen als andere. Traurig.

Da mach ich mir dann Sorgen um die Spitzen-Ausnahme-Freunde, die auch ein bisschen zu sehr auf Verschleiß fahren. Mach mal langsam, guter Mann! Fahr vorsichtig. Pass auf dich auf. Lass es dir gut gehn. Ab und zu tief durchatmen...



Derweil bin ich ein paar Tage durchs Riesengebirge gelatscht und geklettert. Immer langsam. Rauf und runter. Aber ganz schön weit. Runterkucken war besonders hübsch. Links Knödelland, rechts Polen. Grenzgängerei. Der schlechteste Witz der Woche war, dass ich pro Tag ca. 20 mal in Polen einmarschiert bin. Wenn man den Witz mit Witzen über den eigenen Nazi-Oppa kombiniert, ist der überhaupt nicht mehr blogfähig, deshalb lassen wir das hier lieber.

Damit es da oben kurz vorm Himmel nicht so einsam ist, hab ich immer ein freundlich kuckendes Begleittier dabei. Das kuckt dann auch professionell fotomäßig runter oder rauf. Nach Polen oder Knödelland. Und unten warteten abends nette Leute mit Knödeln und Bier oder Bier mit Knödeln oder Bierknödeln auf mich. Und nach ein paar Tagen taten die Beine auch gar nicht mehr weh. Muss man sich keine Sorgen machen. Bloß einmal auf dem vereisten verschneiten vernebelten Geröllfeld mit der steilen Schlucht daneben (wo man aufm Foto weder Steiligkeit noch Glatteis erkennt), da hab ich gedacht... jetzt schön langsam. Pass auf dich auf. Aber dit schaffste ooch noch. War gut gewesen.







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Donnerstag, 27. September 2012
verspannt und verpetert
Puha. Morgens aufwachen mit irgendwelchen fiesen Außerirdischen im Hirnkasten, die einem mit Pressluft auf Sehnerv und Festplatte herumhämmern... Manche nennen es Kopfschmerzen, manche etwa Migräne? Ich nenne es tiefdruckbedingte Verspannungsverpeterungs- Seekrankheit mit Übelkeit Geht wieder weg. Muss ich mal langsamer machen heute. Die gute alte Kameliendame... Leg dich wieder hin, bis das Hirn in den Helm passt!

War genug los. Angeln für den Weltfrieden, Tanzen gegen Altersstarrsinn, Dachdecken als einmaliges Gemeinschaftserlebnis, Türen entlacken nach Dr. R. Hansen. Außerdem wurde eine kapitale Wurmzucht aufgebaut und aus tierliebhaberischen Erwägungen wieder in die kompostorische Freiheit entlassen. Free Max! Wir wollen doch alle eine bessere Welt und diese Würmer hatten nicht darum gebeten, an einer langen Schnur schwimmen zu lernen.

Die letzten Wochen in Bildern...


Fast ertrunkene Libelle föhnt sich trocken.


Fisch träg die gleichen Socken wie der Angler. Beide habens überlebt.


Hervorragende Saison für Nupsi-Pilze hinterm Weinstock. Oder weiß jemand wie die heißen?


100 Jahre Lack ab.


Einwandfrei winterfest und fertig. Fast alles. Endlich.


Zufallsfund im Kompost: 1 ausgewachsener Walnussbaum (kleiner).


Abends ganz was anderes. Unter Leuten mit sauberen Fingernägeln. War auch mal schön.

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Und jetzt leg ich mich wieder hin. Echt jetzt.

PS: Den rührendsten Text der Woche schrob Herr Hannemann. Muss man aber runterscrollen, weil dem sein Blogprogramm ebenfalls unheilbar verpetert ist.

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Mittwoch, 5. September 2012
überambitionierte selbstvermarktungsfallen

[Symbolfoto: 24-Stunden-Hotline. Landwehrkanal Kreuzberg.]

Frau P. erzählte jüngst von diesem Herren, dem sie beim Gassigehen am Kanal begegnete und der dort zum Zwecke der Eigenwerbung Visitenkarten an Passanten verteilte. Es ging auf dessen schreiend bunter Bling-bling-Coraldraw-Businesscard um irgendeine nicht näher zu verifizierende Dienstleistung im Bereich "Körperwahrnehmung" (vermutlich Nagelbettreflexzonen-Reiki mit tantrischer Klangschüssel-Penetration).

Frau P. war darüber nicht weiter verwundert, denn wir leben nunmal in einer Stadt mit einem überduchschnittlichen Level an Bekloppten und auch bekloppten Beklopttheitsheilern aller Unsinnsniveaus. Lustig fand sie hingegen genau die Farbigkeit. Das Visitenkärtchen blingblingte, so sehr überhaupt ein Papierstück in 10 verschiedenen Schrifttypen blingen kann. Und es erweckte dabei den Eindruck, der Herr mit der ungenannten Dienstleistung führe ein internationales Unternehmen mit 8stelligen Zuwachsraten. (Vielleicht überlässt mir Frau P. noch das Original oder ich muss nochmal selbst Gassigehen, um euch das zu zeigen.). Am lustigsten fand Frau P., dass auch eine 24-Stunden-Hotline im Angebot ist. Damit der verzweifelte Klient in dringenden Notfällen jederzeit tantrische Klangschüsseln über den Kopf gezogen kriegen kann. Die Hotline firmierte unter der Vorwahl 030 mit Kreuzberger Nummer. Was zumindest kostenpflichtige Warteschleifen ausschließt... wenn es denn mal schnell gehen muss.

Auf der Meta-Ebene raisonnierten wir dann allerdings den zunehmenden Selbstvermarktungsdruck in allen Lebenslagen. Je mehr es blingblingt, umso schlimmer muss es ja stehen um die Professionalität. Dass es immer unpeinlicher zu werden scheint, mehr zu scheinen als zu werden. Wenn jedes frisch erfundene Hobby in sozialen oder anderen Netzen zur ganz großen neuen Business-Idee aufgeblasen wird. Wenn jede Grundschülerin ein Curriculum Vitae mit der Betonung auf ihre speziellen Skills und Auslandserfahrungen auf ihrer Website führt. Und dass die brillante Spotlackierung der Berufsbezeichnungen so selten mit den harten Fakten des aktuellen Praktikantenvertrages korrespondiert... Selbstironie dabei eine aussterbende Ausdrucksform zu sein scheint.

Jeder Mensch seine eigene Werbetafel. Wenn die Leute bizarrologisch hochfrequente Sachen machen, ist das häufig angstgetrieben. Es muss viel Angst herrschen da draußen. Ich glaub, ich ruf jetzt doch mal bei der Hotline an.

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Donnerstag, 30. August 2012
leistungsschutzrechtfolgenoptimismus

[Symboldbild schlecht zu lesen: "What germans think is funny" von Matthew Diffee im Vortrag Rejection-Satire, 03.03.2012.]
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Es ist ein bisschen traurig, dass es nun bald keine Zeitungen mehr gibt. War doch eigentlich eine gute Sache diese Presse. Aber die Zeitungsverleger wollen nicht, dass Suchmaschinen auf ihre Angebote hinweisen. Denn die Suchmaschinen machen ja das große Geld mit dem Internet und nicht die Zeitungsverlage.

Deshalb haben die Zeitungsverlage nun ein Gesetz von der Regierung bekommen, das zur Folge hat, dass niemand mehr im Internet ihre Angebote findet. Das Gesetz heißt: "Wenn du böse zu mir bist, schieße ich mir so lange ins Knie, bis du nicht mehr böse zu mir bist."

Die Folgen berechnen Zeitungsverlage anders als die großen Suchmaschinen. Für jene ist die deutsche Presselandschaft vermutlich nur ein kleiner Furz am Rande des intergalaktischen Informationsgeschiebes. Kann man gern auch einfach ausknipsen. Und das hätten die Zeitungsverlage auch selbst machen können: sich ausknipsen bei den Suchmaschinen. Mit einem schlichten Nicht-Indizierungs-Befehl. Falls sie den nicht kennen, könnten sie meinen Freund Carlos fragen, der weiß wie das geht.

Ein bisschen pathetisch, was der Perlentaucher als Nachruf schreibt... "Das Internet war eine Episode der Freiheit". Unsinn, weil jedes Land sowieso sein eigenes Internet hat, wegen der sonstigen Zensur und jeweiliger kapitalistischer Wertsteigerungsinteressen... Ein anderer Satz stimmt aber: "Der Jubel der Medien über das Leistungsschutzrecht offenbart zugleich ihren Funktionsverlust als Träger der freien Öffentlichkeit."

Nun ist das Knie kaputt und die Suchmaschinen sind immer noch böse. Also wird bald niemand mehr wissen, wie diese Zeitungen heißen. Die halten weiter an Geschäftmodellen aus dem 19. Jahrhundert fest. Aber Leute, die etwas schreiben, Autoren also, möchten in der Regel auch gern gelesen werden. Also müssen die Schreiber andere Einkommensquellen erfinden, als sie bisher die Verlage boten. Zukünftig werden hierzulande die interessanten Sachen vielleicht bald wieder in Blogs zu lesen sein. Wenn die Verlage zu dumm sind, machen die Autoren das eben selber.

So ähnlich wie die Musiker, wenn sich dank der Gema keine Disko und kein Radiosender mehr Musik-Ausstrahlungen leisten kann.

Die deutsche Sprache ist in hundert Jahren übrigens ausgestorben. Ein kleiner Furz am Rande der internettischen Sprachanwendungen. Was schade ist. Man kann so schöne lange Worte damit basteln. Z.B. "suizidgefährdete Verwertungsgesellschaftsmodelle".

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Montag, 20. August 2012
windschatten


Wo ist der angenehmste Ort bei über 30 Grad im Schatten? Aufm Farrat im Wald. Dort sogar ein laues Gegenlüftchen.
Und wer ist der optimale Heißluftwindschattenspender? Ein gut gebauter Herr (nein, ich hab dich nicht fett genannt!) mit flottem Tempo, der gern die Nase vorn hat, das richtige Logo aufm Leiberl und der nicht nervt. Einfach nur fahren. Anhalten ist zu heiß. Den 25er-Schnitt allerdings haben uns die paar Sandwege vermasselt.

Knie hat gehalten. Niemand wollte tauschen mit den Menschenmassen, die sich an brandenburgischen Seen stauten. Statt dessen durften wir uckermärkische Kühlschrankinhalte leertrinken, am privaten Froschteich ruhen und uckermärkische Anbaumethoden bestaunen.



Versuche die Bezugsgruppe weiterhin zu motivieren, damit das mit der belgischen Reihe mal klappt. Und nicht nur mit den belgischen Waffeln, der belgischen Pommessoße oder dem belgischen Bier.

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Sonntag, 19. August 2012
motorische unterfunktionserfahrung

[Foto: Generator-Knie unfixed]

Ja, nee, ist klar. Man muss in gesetzterem Alter nicht mehr unbedingt ganz neue Fortbewegungsarten erlernen. Zumal, wenn man seit Jahren gepredigt hat, dass diese spezielle (unter bösen Jungmenschen so beliebte) Fortbewegungsart gar nicht gut für die Knie und das allgemeine Wohlbefinden ist.
Aber Frau Generator reitet manchmal so ein kleines Teufelchen und dann meint sie ganz genau jene Dinge ausprobieren zu müssen, vor denen wohlmeinende Geister alle verfügbaren Warnlichter, Abratungen und Kopfschütteleien aufgestellt haben...
Immerhin, ich habe die Kreissäge, das letzte Motorrad und eine zweimotorige Propellermaschine überlebt. Vom Eishockeyspielen und Ärmelkanalschwimmen hab ich abgeschworen. Aber nun gelobe ich, mich auch niemals wieder auf so ein spezielles Farrat zu setzen. Ist nicht gut für die Knie (und ein bisschen auch den Ellenbogen oder den Knöchel) -- wie gesagt.

Was tut man nicht alles, um sein Publikum zu amüsieren. Zum Glück war es klein, das Publikum. Und hat einen guten Charakter. Würde niemals Filmchen von meinen vielen Dummheiten ins Internetz reinstellen.

So, ab aufs Pferdchen und nach Nordost. Aber mit Freilauf. Und ohne Umfallen, weil man nicht aus den Puschen kommt.

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Sonntag, 12. August 2012
mittelstrecke


Erster Mittelstrecken-Test mit dem Marinchen vor der längeren Fahrt. Seit Monaten hadere ich mit dem "heavy and ugly" Farratkauf. Ungute Umstände waren das sowieso und der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Scheibenbremsen quietschen wie ein hungriges Ferkel und die Trauer um den treuen Hirsch ist immer noch groß und früher war alles besser...

Doch der Bürzel tut überraschend gar nicht weh und der neue Untersatz läuft brav gradeaus, sogar in den Great Plains of Brandenburg. An der Bushaltestelle am Ende der Welt wird Eminem gehuldigt und die Frau, die ich nach dem Weg frage, hat auch 'ne Zahnlücke. Nur mittig. Wir überholen Profi-Biker in Partnerlook-Vollausstattung, brackern problemlos über Kopfsteinstrecken und Feldwege, genießen ein bisschen Kunst und Torte zur Halbzeitpause, erlegen ein paar Inline-Skater und freuen uns über freundliche Cowboys auf seltsamen Pferden. Einziges Fährnis: eine fiese dumme Bremse, die sich in meinen BH verflogen hatte. Aber auch der konnte geholfen werden. Autsch.

Nächstes Wochenende Nord Nordost. Sommer ist bald um. Da muss man sich ranhalten.








(Eisenhüttenstadt wird übrigens nachgereicht. Das muss ich noch verarbeiten.)

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Montag, 23. Juli 2012
wer wie oder warum wofür oder wogegen ist
Beschneidungsinteressengruppen schön zusammengefasst:
bei "Ungehobelt".

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Mittwoch, 18. Juli 2012
bürokratenlyrik
„Fristgerechte Sammelanordnung für Löschungsfälle nach Ablauf der Speicherfrist“...

Aus dem Agententhriller vom Innenpudel!

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gerechter zorn
So heißt die Kolumne von einem Herrn Sch. in einer garstigen Propaganda- fregatte namens BZ, die sich in all ihrem Zorn gern selbst abschaffen möchte, weil sie findet, dass man die halbe Berliner Bevölkerung (und zwar die benachteiligte "ärmere Hälfte", ergo ihre mutmaßliche benachteiligte Leserschaft), am besten gleich komplett wegschmeißen und neue bessere, reichere, andere Zeitungen lesende Berliner einkaufen könnte:

"Die [Miete] wird weiter steigen. Wenn wir eine Weltstadt bleiben wollen, die wächst, müssen wir uns damit abfinden. Dann müssen Mieter, die es sich in der Innenstadt [und die BZ] nicht mehr leisten können, in andere Bezirke ziehen. Davon geht für sie die Welt nicht unter. Das ist anderen Städten ganz normal."

Der Autor kennt auch niemanden, der was dagegen hat. Der Autor kennt sich ebend aus. Ich wünsche ihm noch viel gerechten Zorn.

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eisenhuettenstadt

[Symbolfoto: verschlafene Ausflüge]

So. Ich muss die Stadt verlassen. Ernsthaft. Ich soll nach Eisenhüttenstadt fahren, was ein gewisser Tom Hänks "Iron-Hut-City" genannt hat und seitdem ist es dort ganz berühmt.
Und in Eisenhüttenstadt -- the place to be -- ist nämlich Samstag ein total wichtiger Event (oder sagt man "das" Event?), wo ich hinsoll und hinterher drüber berichten.
Weil ich wohl als Einzige noch nie in Eisenhüttenstadt war vorher und mal so ganz unvoreingenommen kucken soll, wie es da so ist -- und wie der total wichtige Event so ist. Und dabei geht es um DDR-Kunst, wovon ich auch keine Ahnung habe. Aber ich soll ja einfach mal so kucken. Ahnungslosigkeit als Standortvorteil. Das ist herauszuarbeiten. In Eisenhüttenstadt.

Bin so aufgeregt, ich könnte Eierrollen. Ihr sicher auch. Wegen dem Bericht. Und wenn nicht? Nicht schlimm. Dann dreht euch einfach nochmal um.

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Freitag, 6. Juli 2012
flickwerkfamilientheorie

[Heute erste Kirschschwemme zu ersten Testgläsern verarbeitet.
Erwachsenenmarmelade mit Kirschwässerchen. Hicks.
]

Kirschen-Entsteinen ist prima meditativ. Kommt man auf Abwege. Ich grüble über familiäre Chaostheorie. Nämlich:

... Wenn die Ex von meim Bruder und Mutter seines Kindes nun wieder ein Kind kriegt von einem anderen Vater, in welchem Verhältnis steht Brüderchen dann zum Brüderchen oder Schwesterchen seines Kindes? Ist er Stiefexvater? Oder weil sein Kind ein Halbgeschwister bekommt, wird er dann der Halbexvater vom Geschwister? Oder wird er gar nichts außer Empfänger von Anwaltsschreiben? Und werde ich dann Halbexstieftante von dem Kind von meiner Ex-Schwägerin, die aber unverheiratet doch eher "nur" die Mutter meiner Nifften war und ist, also Nifftenmutter? Hmm...
Auch andersrum wird kein Schuh draus:
In welchem Verhältnis steht die Mutter des Kindes des Exfreundes zur Exstieffreundin des aktuellen Mannes? Doppel-Hmm...

Bestimmt auch keine einfache Diktion für Familien-RechtlerInnen. Und für die Kinder erst. Aber vielleicht hören die ab dem dritten Stiefvaterfreund oder der dritten Halbmutter auf zu zählen in so einer vitalen Flickwerk-Familie . Oder sie spielen Elternquartett auf dem Schulhof:
"Mein vierter Papa hat ein Boot!" -- "Ach, Papperlapuup, meine Halbexmutter ist Fallschirmspringerin!" -- "Und unser jetziger Mutterfreund macht mir heimlich Nutellabrote!" -- "Boah, du Geiler!" -- "Ich hab dafür 4 Omas!" -- "Das ist doch voll langweilig..."

Kirschmarmelade wird langsam kalt. Gläser können umgedreht werden. Ich nehm das Wasser jetzt ohne. Prost auf die werdende Mutter!

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Montag, 2. Juli 2012
künstlerhautselbstverständnis

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Samstag, 30. Juni 2012
nasenblindheit


"Je älter ich werde, umso glücklicher bin ich mit meiner Verhaltensstörung!"
-- ist eins meiner Lieblingszitate der klugen Frau K.

Und nach jahrelanger Therapieerfahrung sollte eins zu seinen Kauzigkeiten stehen. Frau Generator hat zum Beispiel ein Riechfläschchen. Auf dem Schreibtisch. Und immer, wenn ich einmal traurig bin oder mir nichts mehr einfällt, dann trink ich einen Schnaps dann halte ich die Nase da rein.
Es riecht nach Limone und Verbene (steht drauf, obwohl die Verbenen im Garten eigentlich nach gar nix riechen) -- und es riecht nach dem Wäscheständer in San Francisco. Einfach gut. Mein Riechfläschchen enthält 2 Unzen "Mrs. Meyer's Clean Day" Universalreiniger. Nein, enthielt. Ungefähr eine 3/4 Unze hab ich nämlich schon weggeschnüffelt. Leider passte keine 2-Literflasche von dem Zeug beim letzten Rückflug in den Koffer. Also muss ich jetzt gut einteilen.

Noch lieber als "Mrs. Meyer's Clean Day"-Waschmitteln habe ich den Geruch von frischem Betong. Das einzig Gute am Berliner Luxus-Bauboom ist, dass Betonggeruch-Junkies wie ich ab und zu heimlich auf Baustellen durchatmen können. Mit so richtig teuer riechenden Luxus-Betong.

Was ich nicht mag, ist der Geruch, wenn meine Nachbarin zur Arbeit geht. Sie benutzt seit 40 Jahren dasselbe (Übelkeit verursachende) Parföng und schüttet sich davon morgens zuviel über Kopf, weil sie das nicht mehr merkt. Und dann kann man sie sogar duch geschlossene Türen riechen. Die armen Kolleginnen von der Nachbarin. Die sagen wahrscheinlich jeden Morgen "Guten Morgen" und gehn sich dann erbrechen.

Weil es so selten nach Betong riecht hier bei mir, sondern mehr nach der Nachbarin oder nach angebrannten Käsefüßen aus dem Käsefüße-Integrationskochprojekt gegenüber oder nach BVG-Busabgasen oder Hundekacke oder dem modderigen Duft, der morgens um 9 aus der Kneipenlüftung nebenan herausgepustet wird... deshalb halte ich mir "Mrs. Meyers" und immer noch den grauen Schleier eigenen Zigarettenkonsums um mich herum. Wenn ich selber stinke wie ein alter Zweitakter, muss ich wenigstens nicht die anderen riechen. Und wenn ich mal ein paar Tage abstinent bin, dann überkommt mich die olfaktorische Keule dieser Stadt mit solcher Wucht, dass sich das nicht mit einer kleinen Morgenübelkeit abtun lässt.

Beinahe beneide ich Freund N., der als Kind durch eine Infektionsverpeterung seinen Geruchssinn verloren hat. Dabei ist er selbst einer der bestriechendsten Menschen, die ich kenne. Das sag ich ihm immer, und er glaubt es mir nicht. Aber der Geruch von manchen Sorten Männerschweiß soll ja auch den weiblichen Zyklus stabilisieren. Und siehe da: während all der Jahre in irgendwelchen Bandbussen war mein Zyklus so zuverlässig wie eine Atomuhr. Hat aber nicht immer so gut gerochen in diesen Bussen wie in N.s Achselhöhle.

So. Wenn die Nachbarin gleich weg ist, rühr ich eine halbe Unze Mrs. Meyers in den neuen Gartentreppenstufenbetong. Und stell die Verbenen daneben, damit sie mal lernen, wie sie zu riechen haben.

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Montag, 25. Juni 2012
neophyten


Bin grad ganz begeistert. Vor ungefähr 10 Jahren habe ich mal versucht, einen ganz speziellen Klee aus den Nebelwäldern in den Bergen einer kanarischen Insel nach Berlin einzuschleppen und zu verbreiten. Der blüht nämlich so schön. Und dem wachsen dann lustige Samenkapseln, die bei Bewegung aufpoppen und böllerartig ihre aggressive Genetik versprühen. Und er wird sicherlich nicht so viel Schaden machen wie die ganzen Eukalyptus-Bäume an der kalifornischen Pazifik-Küste oder die beifußblättrigen Ambrosia in Brandenburg.
Hat aber nicht geklappt. Der kleine Klee hat sich nur grade so von Jahr zu Jahr durch meine Balkonkästen geschleppt. So aggrressiv ist der Spanier eben nicht.

Nach Renovierung und Balkonkastenzerdengelung war er mir ganz abhanden gekommen. Dachte ich. Aber gestern entdeckte ich auf dem Gehweg vor der Haustür (wo es immer genetisch runtergepoppt hatte) eine neue kleine Kolonie kanarischen Nebelwald-Klees. Und das hat mich doch sehr gefreut. Mal kucken, ob er jetzt von dort über Treptow seinen botanischen Eroberungsfeldzug fortsetzen kann. Ausgraben, eingraben und poppen lassen.

In Echt bin ich natürlich mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Ausschlafen lernen nach Monaten viel zuvieler Arbeit zum Beispiel. Oder einfach mal Nichtstun. Aber das poppt nicht so schön.

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Samstag, 23. Juni 2012
heimspiel in danzig
Nach Polen fahren und mal so richtig die Nazi-Sau raushängen lassen?

Da bietet die EM doch das schönste Ferienerlebnis: Hitlergruß und gusseiserne Dummheit unter den deutschen "Fußball-Fans". Fremdschämen reicht nicht. Ein guter und gerechter DFB müsste sofort seine Mannschaft aus dem Turnier nehmen.
>>> “Wir bauen eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz”

[Mist. Was hab ich den Griechen die athritischen Daumen gedrückt!]

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Donnerstag, 21. Juni 2012
früher war mehr gitarren

[Lehrbild für alle U30: Dieses ist eine Gitarre.]

Heute wurde ich zu Fete de la Musique einbestellt, aber mir bluteten schon die Ohren, als ich zwei Stunden bei einer Freundin auf der Oranienstraße (O-Straße sagt der, der auch Prenzlberg sagt) am Kaffeetisch saß.

Ich kann mich nämlich noch erinnern, dass ... als ich noch keine alte ungnädige Frau war, sondern eine junge ungnädige... dass da richtige Bands gespielt haben vor den Kneipen. Mit so Dingern um den Hals, die man Instrumente nannte. Oder "Harke", wenns eine Punkband war.
Heute sah ich überall seelenlos rumwabernde böse Jungmenschen* vor seelenlos rumwabernden Soundsystems, die von gelangweilt rumstehenden DJs betrieben wurden -- und die wussten alle nicht wo sie hinkucken sollten oder auch hinhören. Denn überall waberte es gleich gelangweilt vor sich hin. Livemusik aus der Konserve.

Wir ungnädigen alten Frauem am Kaffeetisch wussten uns nicht anders zu behelfen, als Drogen zu essen und Torte zu nehmen. Wummer Wummer Wummer. Und dann Schnaps zu trinken in der Stammkneipe ohne Soundsystem. Und Fußball zu kucken. Und uns unzuhause zu fühlen zuhause.

Und dann erklärte mir der DJ Barkeeper von der Stammkneipe, dass die Fete mit dem 15000-Leute-Konzert der Ärzte aufm Mariannenplatz damals kaputt gegangen sei. Denn seitdem stellt kein Wirt, der von Verstand ist, mehr 'ne komplette Band vor die Tür. Nur noch kostengünstiges Bösejungmenschengewummer. Für die wabernden Massen.

Aber dann fuhr ich nach Hause und hörte auf dem Weg ein bisschen Musik. Prima Mexikaner-Ska mit Cumbia-Trompete an der Skalitzer ("Calzada de los Muertos"). Und ein Telefonat später erzählt mir der alte Freund Herr N., dass er noch bis morgen früh einen neuen Bandnamen braucht, um im September mit ebendiesem auf Tour zu gehen. Und nochn Gitarrero. Und Texte. Und leidet. Block wartet auf die Texte, der Booker auf den Namen. Ich schlag ihm drei vor und einen Musiker. Und leide mit. Und tröste, dass es doch immer dasselbe ist mit der Kunst und dem Geleide vorher.
Und er sagt, an Abenden wie diesem müsse er an Freund T. denken, und wie der auf Berlin schimpft. Und heimlich müsse er dem dann auch recht geben. Und ich sage, hat er auch. Heimlich.**

Schön, dass die Freunde wieder Musik machen und was Ordentliches zurecht leiden. Wo soll man denn sonst noch hingehen?
____________________________

*Wortbesitz: U. Hannemann
**Sicherheitsvorbehalt: Dies ist UngnädigealteFrauencontent, der betrunken ge- und insofern morgen sicher wieder umgeschrieben wird. Oder gelöscht. Je nach Belieben.

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Samstag, 16. Juni 2012
gewaltbereitschaft


Zerfleischen. Jetzt!
(Hundespielzeug in Warteschleife)

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Mittwoch, 13. Juni 2012
ausgemustert
Und immer wenn heutzutage noch Post kommt (also richtige "Post") frag ich mich: ist das Reklame oder kostet das Geld?

Und immer, wenn das Telefon klingelt (also das richtige, nicht das Taschentelefon), frag ich mich: ist das meine Mutter oder irgendein Job?

Huch, ich hab ja auch noch ein Fax-Gerät. Aber wenn das loshupen würde, frag ich mich: sind das die Außerirdischen oder der Tod?

...

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konzern müsste man sein
Berlin kann seine Wasserbetriebe nun vielleicht doch zurückkaufen, die der Herr Diepgen 1999 zu verhökern geruhte? Nachdem RWE und Veolia also 13 Jahre lang unverschämt hohe Wassergebühren aus der Stadt gepresst haben und das Kartellamt nun eine Preissenkung verfügte, äußert Veolia die "Sorge, als privater Mitgesellschafter mit ihren Interessen nicht mehr durchzudringen." (Welt) Ergo: lohnt sich nicht mehr die Auspresserei. Steuerzahler zahlt zweimal: als Wassermonopol-Kunde und als Gemeinwesenmitfinanzierer...

Zweite schöne Meldung: "Eon, RWE und Vattenfall wollen vor dem Bundesverfassungsgericht offenbar milliardenschwere Verluste durch den Atomausstieg geltend machen." -- es geht um ca. 15 Milliarden... Vernünftig wäre es vielleicht, die Konzerne an den Entsorgungskosten ihres Atommülls zu beteiligen, der Sanierung der Asse und dem Rücktransport ihres auf sibirischen Parkplätzen gelagerten Strahlemülls ins eigene Vorstands-Büro. Von der Finanzierung von Castor-Polizeieinsätzen und dem Aufkommen für alle Umwelt-Folgeschäden mal gar nicht zu reden.

Ich möchte auch gern Energiekonzern sein. Da bekommt man es von vorne und von hinten reingesteckt.

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Sonntag, 10. Juni 2012
haarfrisurenfussball


Ich lass mir natürlich auch "einen Bart wachsen für Deutschland", äh... vielleicht gehn auch Achselhaare oder ein schöner Pickel am Hintern? Wo doch hier in Berlin sowieso nur unrasierte Patrioten rumlaufen? Als besonders exklusiv- verschwörerisches Kennzeichen noch ne Bierkanne im Arm und aus der Hose kucken die Pampers raus...

Beim Klopp (und dem Elektronikkonzern) seiner Bartmeisterschaft kann man sich jedenfalls auch als Frau anmelden. Sagt das Formular. Ich mache mit, was machst du?

Weitere Vorschläge:
- Hose hoch für Deutschland
- Schnauzehalten für Deutschland
- Cunnilingus für Deutschland
- Ohrenwaschen für Deutschland
- Blumengießen für Deutschland
- Ommabesuchen für Deutschland

... t.b.c.

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